Über die Bilder

Ostseeküstenblume | Das noch!
  • Handgeschöpftes Bütten holzfrei
  • Limitierte Auflage 500 Stück
  • Handsigniert und gestempelt
  • Druck A5 für 59,- €
  • Druck A5 und gerahmt für 98,- €
  • Druck A4 für 79,- €

Wie es war.
Kalt war`s. Ostern 2018 an der Küste der bezaubernden Halbinselkette Fischland-Darß-Zingst im schönen Mecklenburg-Vorpommern. An jenem Ostersonntag war alles eingebettet in tiefem Schnee. Eine mir spontan sympathische, fremde Frau formte aus dem kalten Nass einen Osterhasen und pappte ihn so an die Rinde eines großen Baumes direkt am Trottoir, dass es aussah, als würde der Mümmelmann den Stamm hochklettern. Fantastisch. Dann taute die Pracht und es blieb kalt und es blieb wunderschön, weil das nun mal ein Ort auf dieser Welt ist, der einfach „genuin“ schön ist mit seinen Stränden, Wäldern und hübschen Ortschaften. Für mich jedenfalls ging es kaum besser.

Ein Ort war besonders pittoresk. Dort wurde gemalt, dieser Ausschnitt auch gerne fotografiert. Ein Postkartenmotiv sozusagen. Ein Idyll. Als ich später nach dem Foto auf meinem Smartphone am Tisch im liebenswerten Frankfurter Nordend die wolkenverhangene Szene nachmalte, musste ich plötzlich herzlich lachen: Ich stellte mir eine Person vor – vielleicht einen Feriengast – in dem mit Reet gedeckten, liebevoll sanierten, großzügigen, geschmackvoll eingerichteten, durch knisterndes Kaminholz kuschelig warmen, nach Marzipan-Ostereiern duftenden Wohlfühlhaus in einer der schönsten Lagen, die die Welt so zu bieten hat, wie er/sie zum Fenster schlurfte, kurz zum Himmel blickte und genervt sagte: „Das noch!“ Dann sah ich mich im liebenswerten Frankfurter Nordend am Fenster einer charmanten Altbauwohnung mit Blick über die Schieferdächer „Das noch!“ sagen, musste grinsen und fing an zu malen. „Und außerdem sind manchmal die Das noch!-Momente gar nicht so schlecht – im Nachhinein betrachtet“, klang es in mir.

Und hier die Marina-Das noch!-Version
Das ist doch keine Blume! ☺︎ ^_^

Ela! | Zinnie

Wie es war.
Es war an einem schönen sonnigen Tag im Frankfurter Nordend. Letzte zarte Wolkenschleier zogen nach Nord-Ost. Ich sah auf die Zinnien und ihre Schattenwürfe auf der leicht verwitterten Zinkverschalung des Dachfensterausschnittes, gerahmt vom alten Schiefer der Gaube. Am Rande des sich verändernden Zinnien-Völkchens stand die eine Unentschlossene. Tief in ihrem Unbewussten hörte sie sich selbst sagen: „Ela!“

Los! Auf geht´s! Beweg dich! All das ist “Ela!” (griech.). Die Situation beobachtend, ergänzte ich für sie: „Schau dich mal um – Dinge verändern sich. Es ist Zeit. Du kannst das!“

BAM | Waldkornblume

Wie es war.

Stell dir vor, du stündest im Redwood Nationalpark umgeben von über 100m hohen Sequoia Bäumen auf engstem Raum. Oder anders ausgedrückt: Nimm an, Du seist ein Zwerg unter Riesen. Ein Zwerg umgeben von einem Zaun. Ungefähr so stellte ich mir die Waldkornblume in einem Vorgarten im Frankfurter Nordend vor: Alles ist höher als sie und sie ist eingegrenzt.

Plötzlich machte es “BAM”. Für mich stehen diese drei Buchstaben für Leidenschaft oder Energie, die sich entlädt. War die Blume verliebt? Wollte sie den Zaun sprengen? … Deine Entscheidung 🙂 Ganz sicher war sie eine Blume mit Willenskraft. Warum sich der Qualm in einer eher kontrollierten Wolke ausbreitet, ist eine andere Geschichte.

Oxytocin Secretion? | Roter Fingerhut

Wie es war.
Selbst der eher schlammig aussehende Main im Frankfurter Zentrum kann sich in funkelnde Lila- und Blautöne verwandeln, wenn wir verliebt sind. Für manche ist dieses Gefühl ein Bad in Wundern: Sprechende Rote Fingerhüte, die wie ein Füllhorn ihre Punkte ausschütten. Als würden wir eine Seite in einem Märchenbuch gestalten. Das Pferd des Prinzen und der Prinzessin aus dem nahen Stall.

Für die stark Rationalen unter uns stellt sich Verliebtsein anders dar: als reine Chemie in unserem Körper bereit für den Rock & Roll. Eine Oxytocin-Ausschüttung?  Ob wir das Verliebtsein eher emotional oder eher rational betrachten – beide Ansätze sind prima. Am Ende ist alles schön.

…??!! | Pfirsichblättrige Glockenblume

Wie es war.
Ich spazierte mit unserem Hund, Ella, durch das Frankfurter Nordend. Sie schnüffelte glücklich und gemächlich vor sich. Das gab mir Zeit, Fotos zu machen. Da sah ich die am zarten Stängel hochgewachsene Glockenblume. Sie wurde mit einer türkisfarbenen Plastikklammer mit dem Zaun aus Eisenstäben, sicherlich gut gemeint, verbunden. Die Szene fand ich interessant.

Manchmal ist es für mich schwer zu sagen, ob es besser ist, ohne Unterstützung frei zu wachsen, etwas Unterstützung zu bekommen oder mit einigen Anpassungen gemeinsam zu wachsen. Ob es besser ist, zu fragen: „Würdest du mich festhalten??“ oder zu schreien: „Lass mich frei!!“ Dieses Dilemma führte zum Titel.

I’m out | Japanische Strauchspiere

Wie es war.
Ein weißer Blütenball mit winzigen grünen und gelben Tupfen. So lag er an seinem  kurvigen Stengel wie gerollt auf dem Asphaltplaster, seinen „Bobbes“ irgendwo im grünen Dickicht auf der anderen Seite des Zaunes im Frankfurter Nordend. Sie hat es geschafft, dachte ich bei mir, und hörte die Spiere sagen: „Ich bin draußen.“ Gleichzeitig wie als eigenständiges Echo rief es: „Ich bin drin.“ Alles eine Frage der Perspektive; eine Frage von Raum und Zeit.

So schaue ich nun auf das Bild und frage mich lächelnd, wo bin ich denn jetzt eigentlich?

Animated Icon | Narzisse

Wie es war.
Die Regentropfen auf den Grashalmen sind in diesem Bild die „Icons“. Die Tropfen rinnen den Halm hinunter. „Sind sie animiert?“, fragt sich die von der Informationstechnologie faszinierte Narzisse. „Wozu ist IT mit dem richtigen Code in der Lage?“ Und mit  einem Blütenzwinkern: „Was ist hier künstlich und was ist echt, wenn es um Emotionen geht“?

Creating Peripersonal Space | Osterglocke

Wie es war.
Hast du das schon erlebt? Du unterhältst dich mit jemanden, den/die du kaum kennst, in der Unternehmenscafeteria. Einen Wein habt ihr noch nicht miteinander getrunken. Daraus folgt für einige Menschen in Deutschland (auch in anderen Ländern) und für dich – jedenfalls in unserer kleinen Geschichte: Mindestens eine Armlänge Abstand bis zum eigenen Nasenbein kann nicht schaden. Es darf auch etwas mehr sein. Analog zu deinem Wohlfühlprogramm möchtest du diesen Abstand unbedingt aufrechterhalten. Dein Gegenüber bevorzugt jedoch einen anderen Raumabstand: 50cm. Das liegt deutlich unter deinem. Was passiert? Du gehst einen Schritt zurück, um den einen Meter wieder herzustellen. Jetzt beginnt der Tanz: Du zurück, er/sie hinterher; du wieder zurück, er/sie wieder hinterher, … . Langsam steigt dir der Nackenschweiß in den Kragen. Du gehst in der Cafeteria zur 10 Meter entfernten Kaffeemaschine. Er/sie kommt auch und steht wieder (für dich nur) 50cm entfernt neben dir. Da schiebst du einen plötzlichen Termin vor.

A fragt sich: Warum gibt er/sie mir auch nicht genug Raum?                                                                             B fragt sich: Warum ist er/sie so abweisend?

Es hätte so schön werden können 🙂

Langsam, Langsam | Osterglocke

Wie es war.
Du stehst an der Supermarktkasse. Deine Einkäufe gleiten gefühlte 10 Meter bis zur/m Kassierer/in, werden kurz über den Scanner gelupft und enden dann in einem 50cm kurzen Auffangbecken, wo sich deine bereits liebgewonnenen und bezahlten Waren bedenkenlos ineinander schieben. Hinter dir reiht sich ein Mensch an den anderen. Die Schlange reicht bis zur Brottheke. In der Vor-Corona-Zeit belief sich der Abstand zur/m Nächsten je nach Distanzabstand-Präferenz zwischen null Zentimetern (Hacke) und maximal einem Meter (mit Ausnahmen) im schönen Frankfurter Nordend. Für jemanden, der mit über die Jahre antrainiertem Sachverstand die Einkäufe entsprechend eines fein ausgeklügelten Systems auf das Band legt – bei mir: groß und schwer zuerst, dann kleiner werdend und fest, zum Schluss Waren mit Matschgefahr. Im Genick spürst du die finster schauenden Blicke des Hintermannes/der Hinterfrau nach dem Motto „ne, das doch jetzt nicht auch noch?!“, wenn tatsächlich noch ein Päckchen Backpulver vom Korb auf das Band wandert. Du verstaust deinem System folgend ratzfatz. Dann tönt  die Stimme des freundlichen Menschen hinter der Kasse: „Langsam, langsam“. Da stellen sich schon mal die Nackenhaare auf. Du weißt, dass es nett gemeint ist. Trotzdem (an manchen Tagen).

Menschen ticken verschieden, wie wir ja alle wissen. Einfach unkommentiert machen lassen: Die einen in stoischer Ruhe linear eins nach dem anderen, die anderen systemisch in Nullkommanix, obwohl es für manchen chaotisch aussieht 😉 Am Ende sind die Einkäufe im Beutel verstaut, und alle sind froh.

Empathie | Vase mit 13 Personen

Wie es war.
Die Metamorphose der Blumen war abgeschlossen (siehe Bild „Metamorphose“). Wie ist das wohl, sich in Blumen sprichwörtlich hineinzuversetzen, empathisch zu sein? Wie fühlt sich das an, als Mensch unter 12 weiteren Menschen in einer Vase zu stecken? Es war auch ein Selbstversuch: Ich befand mich mit verrutschtem Seitenscheitel ebenfalls in dem Gefäß und musste feststellen, dass die Vorstellung, draußen am Holztisch zu sitzen mit Blick auf den Garten und entferntem Wasser, deutlich angenehmer war, als dicht beieinander im engen Nass zu hocken. In anderen Situationen geht es mir ähnlich: Sich hineinzuversetzen, kann schon ernüchternd sein.

Metamorphose | Vase mit sich verwandelnden Blumen

Wie es war.
Es musste eine Veränderung her. Nicht nur das Motiv selbst, sondern auch der Stil, in dem die Blumen gemalt sind. Alles andere sollte gleich bleiben. Die Blumen mussten sich verwandeln, aber konkret bleiben. Zu „doodeln“ war bei mir besonders beliebt während der Schulzeit und später an der Uni zur Entspannung. Doodeln kam zu mir zurück als Ausdruck von „Verwandlung“. Ich begann, daran zu arbeiten.

Ich wollte keine Veränderung im zeitlichen Raum. Keine Blumen, die verwelken und in irgendeinem Zwischenstadium stecken bleiben. Ich wollte das Stadium der „echten“ Transformation im konkreten Raum (gefolgt von meinem Bild „Empathie“). Doodle sei Dank.

Love you … too | Tulpen

Wie es war.
Ich hatte nach etwas gesucht, das aus meiner Sicht DEN uneigennützigen, bedeutendsten Wert darstellt, den Menschen in sich tragen können und dem gleichsam schönsten und stärksten positiven Gefühl: die Liebe. Tulpen lassen auf Grund ihrer Blütenform in ihr tiefes Innerstes schauen und schaffen so Vertrauen. Sie mussten nur noch einander über die Wolken tragen, denn verleibt sein bis über beide Ohren können sie ja mangels Hörorgan nicht. Das bestimmte dann die Perspektive des Bildes.

Digital Literacy | Heide

Wie es war.
Derselbe Tag wie bei „Reziprozität“: Die Norddeutsche Tiefebene und dort der höchste Punkt bei geschmeidigen  40 Grad Hitze. Ächz! Da wird es schon mal anstrengend. Da verwandeln sich auch mal die winzigen Heideblüten in sengender Glut zwar nicht in Oasen am schwirrenden Horizont aber immerhin in Einsen und Nullen (und von „Einsern“ habe ich das letzte Mal in der Schulzeit halluziniert). Tja, so ist das nun mal: Die einen träumen von wild-romantischen Begegnungen im Heidekraut, die anderen von Codierung in der digitalen IT-Welt ☺︎

Meine IT-Welt hat indes sehr wenig mit der Profi-IT-Welt zu tun. Hier ächz(t)e ich schon, wenn ein Text verloren geht und ich nicht weiß, wie ich ihn widerherstellen soll. Wenn ich eine 80 Seiten Folienpräsentation per Mail verschicken will aber das Datenvolumen deutlich überschritten ist. Wenn ich mitten in der virtuellen Präsi ins Nirwana geschossen werde. Es gibt noch viele andere lustige Situationen – Hund zerbeißt das Netzkabel – … Vieles löse ich mittlerweile locker. In meiner digitalen Alphabetisierung bin ich bereits bis zum Buchstaben „O“ vorgedrungen. Work in Progress :☺︎

Cosmea / Cyber Lead Where are You?

Wie es war.
Ein Garten-Buffet für Bienen sollte es werden. Unter all den Blumensamen, die sich im zum „world best“ Mietshaus dazugehörigen Garten, in unserem Garten im liebenswerten Frankfurter Nordend ansamten, wuchs das „Schmuckkörbchen“, wie die Cosmea auch heißt, am prächtigsten heran. Immer größer, immer höher, schoss sie an den anderen Blumen und auch an mir vorbei gen Himmel. Dabei reckten durchaus nicht alle Blüten ihre Köpfe in dieselbe Richtung: Manche schauten nach oben, manche zur Seite, andere nach unten als suchten sie etwas. Nur was?

Dill-ähnlich schoben sich die zahlreichen sehr schmalen und  langen Cosmeenblätter in die Gartenwelt. Von weitem sahen sie aus wie ein zart-grünsilbriger Fischschwarm in einer virtuellen Welt. Er bewegte sich synchron. Ein cleveres Team, das sich als Einheit verstand und gemeinsam einen starken Online-Auftritt lieferte. Die rosafarbenen  Cosmeenblüten  schauten sich nach ihrem Cyber-Lead um. Eben noch da und plötzlich vom Cosmos in eine andere Umgebung befördert, riefen sie: Cyber Lead Where are You?

Engelstrompete | Fake News!!

Wie es war.
Sie war nicht zu übersehen. Und mit etwas Vorstellungskraft auch nicht zu überhören. Die Laune eines grauen Tages führte mich in den Bethmannpark im liebenswerten Frankfurter Nordend. Fotos von verschiedensten Blumen, die ich bis dahin für diese Bildaussage gemacht hatte, kamen nicht mehr in Frage. Für mich wollte „Fake News!“ aus genau dieser alkaloiden Engelstrompete tönen: gealtert und im Wind nochmal aufgeblasen.

Wie kommst Du darauf? Was macht Dich so sicher? Woher hast Du die Informationen? Würdest Du einen für Deine Verhältnisse hohen Betrag darauf verwetten? Einen Geldbetrag, der schmerzt, wenn Du ihn verlörest, falls nicht stimmt, was Du da von Dir gibst? – hörte ich die Verwandten und Bekannten fragen. So wie wir es als Kinder auch gespielt haben: „Wetten?“ Und dann war da noch „Nach der Wahl ist vor der Wahl“ – wie überall auf der Welt. Viel fragen hilft viel (außer: die Warum-Frage stellen, die nach dem persönlichen Verhalten fragt – aber das ist eine andere Geschichte ☺︎

Anemone | No way!

Wie es war.
„Igitt, da fehlt `was!“, nämlich ein fünftes Blütenblatt, war meine spontane erste,  bewusst absurde Blumenbotschaft ob der Schönheit der Pflanze, als ich die Anemone (A.) auf dem Büttenkarton skizzierte. Daraus entwickelte sich in meinem Kopf ein kurzes Geplänkel zwischen der purpurnen Schönen und dem kritischen, oberflächlichen Vorbeigehenden (V.). Etwa so:
V.: „Igitt, da fehlt `was!“
A.: „Nerv´ mich nicht.“
V.: „Da kann man vielleicht  `was machen!“
A.: „No way!“

So in etwa kam ich auf das „No way!“ Und dann entstand eine ganze Flut an Situationen in meinem Kopf, wo ein von Charme befreites „Ne – auf keinen Fall!“ unglaublich viel Sinn gemacht hat. Es war ein Vergnügen. Und warum auf Englisch? Is` einfach kürzer ☺︎

Kunigundenkraut mit Tagpfauenauge | Reziprozitaet (Gegenseitigkeit)

Wie es war.
Es war wunderbar. Wir waren mal wieder gemeinsam unterwegs wie so oft. Meine Tochter und ich. Sehr gerne in Norddeutschland und dieses Mal in der Lüneburger Heide, woher meine Mutter kam und wohin sie nach Jahrzehnten im Oberhessischen in einer Urne zurückkehrte. Da ruhte sie nun in einem Waldstück nahe dem „Totengrund“, dem Teil des von meiner Mutter so geliebten Naturparks zwischen Wilsede, Sellhorn und Behringen.

Wir irrten an jenem sehr heißen Sommertag zu Fuß durch die Heide: Oberhaverbeck, Wilsede, Totengrund, Wilseder Berg, Wilsede und warum nicht von dort zu Mamis/Omis Heide-Eiche – irgendwie? Leicht dehydriert und deutlich genervt ob all der gewanderten Kilometer schlugen wir uns auf einen Seitenweg. Da sahen wir sie: Tagpfauenaugen, viele, sehr viele und Kunigundenkraut im Übermaß. Manche nennen es auch Wasserdorst. Doch was ist schon Wasserdorst im Vergleich zu dem Wohlklinger Kunigundenkraut – Königin Kunigunde – das indes ist eine andere Geschichte. Ich knpiste. Mein Kopf schaltete sich ein und sagte „Reziprozität“. Kein Wort, das flutscht aber ich kannte es aus meinen Trainings. Gegenseitigkeit oder noch schöner Wechselseitigkeit: ohne Kraut kein Falter und ohne Falter kein Kraut. Hat mir eingeleuchtet.

Gänseblümchen | Trust

Wie es war.
Erst kam „Trust“ und dann „Vielleicht!?“ In dieser Reihenfolge hatte ich gemalt. Zurück zum Anfang: Im zum „world best“ Mietshaus dazugehörigen Garten, in unserem Garten im liebenswerten Frankfurter Nordend zu Beginn von Corona, konnte ich gar nicht anders, als die vielleicht 60 auf unserem Rasen verstreut stehenden und frech drein schauenden Gänseblümchen im Masken-Schmuck zu sehen. Da musste ich an meinen ersten Herzensbrecher denken, Harry B. Ich fand ihn sooo toll. Wie alle Fünfjährigen konnte ich ganz prima mit den zu zupfenden Gänseblümchen den Klassiker-Abzählreim souverän durchführen – meistens: „Er liebt mich, er liebt mich nicht, er liebt mich, er … äh, wo war ich? Oh, meine Güte, wenn das jetzt falsch war!!“ Und schwupp das nächste arme Gänseblümchen rupfen – Retest sozusagen. Von da an war es natürlich bis zu „Trust, No Trust, Trust“ nur noch ein Katzensprung.

Tja, und Vertrauen ist nun mal ein wichtiges Thema in der zwischenmenschlichen Kommunikation. Blöd, wenn wir Mund-Fixierten nun ausgerechnet diesen Teil des Gesichtes nicht sehen können. Da bleibt dann nur noch der Abzählreim 😉

Echinacea | Vielleicht!?

Wie es war.
„Trust“ hatte ich gemalt. Die Frage nach Freund oder Feind war durch die Gänseblume bereits gestellt. Ein Freund oder eine Freundin wird wohl von den meisten bevorzugt werden. Davon ausgehend wollte ich mich nun auf die Suche nach der perfekten Maskenträgerin begeben. Für mich war klar, dass ich nach einer Blumenfrau suchen würde mit exponiertem rundem Kopf. Danach hielt ich Ausschau. An der Grenze des liebenswerten Frankfurter Nordends zur Innenstadt, am Cityring, Scheffeleck Ecke Eckenheimer Landstraße, standen sie majestätisch und blickten wie verabredet in eine Richtung. Möglicherweise trugen sie auch Prada; ganz sicher den Mund-Nase-Schutz – klar, bei diesem Kopf.

Diese Echinaceas waren Flirt-Exemplare ohne Frage. Typischerweise offen blieb die Antwort darauf: Wollen sie einen nächsten Schritt gehen oder nicht? Die un/entschlossene Blumenfrau klärte es mit der Ausrufezeichen-Fragezeichen- Aussage; in der Grammatik zwar unbekannt gleichwohl extravagant. Das konnte nur sie: Die Ergebnisorientierung zeitgleich mit der Prozessorientierung in einem Atemzug auf den Weg bringen und so für maximale Verwirrung sorgen. Obendrein war der Mund unserer Majestät verdeckt. Verführerischer ließ sich Vielleicht!? kaum spielen.

Rose | System relevant

Wie es war.
Wir fuhren nicht mit dem Fahrrad. An diesem schönen Corona-Sonntag gingen wir im liebenswerten Frankfurter Nordend zu Fuß. Ich mochte das. Alles blühte. Da wäre  es blöd gewesen, zum wiederholten Mal eine zu fotografierende Blume zu entdecken, die Fahrradbremse zu ziehen und hinterher zu brüllen: „Warte mal kurz! Ich muss mal fotografieren!“ Nicht gut für die Bremsen, nicht gut für die Beziehung. Also spazierten wir. Und so bogen wir in die bescheiden imposante obere Günthersburgallee ein: Der obere Teil der Allee spuckte seinerzeit einen Jahrhundertwendealtbau nach dem anderen aus. Ob die zahlreichen Rosenstöcke auch an die 130 Jahre auf der Dorne hatten, wusste ich nicht. Viele prächtige Stöcke waren es jedenfalls. Ganz besonders gerne mochte ich Sattgelbe. „Halleluja! Ist diese Blüte faszinierend!“. Schon streckte ich ihr mein Smartphone entgegen, da flog just in dieser Sekunde, in der ich fotografieren wollte, eine Biene – auf jeden Fall eine Bestäuberin – in die Blüte hinein.

Zeitgleich war landauf, landab die Rede von jenen bemerkenswerten Menschen, die das Gesundheits-, Bildungs- und Versorgungssystem am Laufen hielten. Ihnen wurde applaudiert. Genau das tat ich auch. Ich habe sogar bei geöffnetem Fenster die „Ode an die Freude“ mitgesungen. Auch heute sehe ich diese Systemrelevanz. Ich beispielsweise bin zwar nett, aber nicht unbedingt System relevant. Sozusagen „nice to have“, aber nicht „need to have“. Das geht für mich schon so in Ordnung.

Klatschmohn | Alternative Fakt?

Wie es war.
Am Zaun stand er. Es war diesig. Ein leichter Wind ging. Ich war auf dem Weg zu einem meiner Lieblingsgebäude in Frankfurt Preungesheim. Der Bau an sich war groß, gleichförmig und zum Haupteingang hin schattenlos. Er saugte wie ein Staubsauger mit starkem Sog und leerem Beutel. Wer das Angebot im Innern des Gebäudes liebte wie ich, ließ sich gerne einsaugen. Kunstbedarf. Viele Quadratmeter mit allem, was die Fantasie begehrte. Da war es schon gefühlter Widerstand, der mich an dem Klatschmohn stehenbleiben ließ.

Was hatte der da zu suchen so am Zaun? Ganz allein. Diese große Blüte auf einem völlig überproportional langen wie hauchdünnen Stengel. Der Klatschmohn mit seinem erahnten Schatten. Und dann fragte ich mich: Kann ein Schatten und das, was ich darin sehe, die Alternative zur Realität sein? Was mich an die Geburtsstunde der sprachlichen Wendung „Alternativ Facts“ im Washingtoner Januar 2017 erinnerte; diese Wendung wollte ich illustrieren. Dem Klatschmohn sei Dank.

Stiefmütterchen | WOW

Wie es war.
Im Hintergrund lagen die Schieferdächer des liebenswerten Frankfurter Nordends. Vor dieser Kulisse baute sich in unserem Blumenkasten ein prächtiges blau-violettes Stiefmütterchen auf. Stiefmütterchen werden nachgesagt, ein Gesicht zu haben. Ich behaupte, bei genauem Hinsehen findet sich in jeder Blüte ein tanzender Peter Pan oder eine flatternde Tinkerbell☺︎ So oder so: In meinem Stiefmütterchenland wurde gesprochen.

Das Stiefmütterchen war meine erste Blume, die etwas zu sagen hatte. Es musste etwas Euphorisches sein, das zur Pan-Tinkerbell Family passte. Das Gesagte wollte obendrein grafisch dargestellt werden. Eine Nebensuche tat sich auf. WOW ist schlau – ein Palindrom. Es liest sich von vorne nach hinten gleichermaßen wie von hinten nach vorne. Wunderbar eindeutig was die Buchstabenfolge betrifft. WOW kann für mich sowohl Ausdruck von etwas in freudiger Überraschung Wahrgenommenen als auch Anerkennung mit klarer positiver Wertung sein nach dem Motto: Toll gemacht! Das musste doch mal gesagt werden ☺︎